Spam Korrespondenz
Verfasst von Robert Seeger unter E-Mix am 20. August 2007
Anmerkung: Diese Korrespondez findet tatsächlich statt, um heraus zu finden, was eigentlich passiert, wenn Mann oder Frau auf ein Spam E-Mail antwortet. Ein paar lustige Details am Rande: Die angegebene Bankverbindung ist die der MA6 Abteilung für Verkehrsstrafen, Adresse, Telefon & Fax von den Bundespolizei-Direktion Wien, Abteilung: Betrugsbekämpfung im Internet. Der Mail Verkehr ist in den Kommentaren weiter zu lesen.
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Von: Dr william [mailto:williudah@gmail.com]
Gesendet: Montag, 25. Juni 2007 16:43
An: Datenkraft – Robert Seeger
Betreff: Geschäfts-Vorschlag
Geschäfts-Vorschlag!Zuerst muss ich um Ihre Zuversicht in dieser Angelegenheit bitten, da dies aufgrund der Situation als streng VERTRAULICH anzusehen ist. Ich erwähne jedoch im Vorfeld, dass eine Offerte diesen Ausmaßes selbstverständlich abschrecken kann.
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Lügen, Porno und Internet
Verfasst von Robert Seeger unter E-Kritik am 12. Juli 2007
Die Temperaturen steigen, die Rocklänge sinkt – es riecht nach Sommer & Sex. Ja, endlich – lieber Leser – wird es saftig und deftig. Heute geht es um Sex. In unserer Sex Society wird Sex enttabuisiert und beherrscht unser Leben – zumindest im Internet. Doch was ist dran und drin im Porno-Business im Web? Lesen Sie die nackten Tatsachen über den Geschäftsverkehr mit dem Coitus.
Ohne Sex geht nichts mehr: Dildo-, Ausgreif- und Auspeitsch-Techniken werden bereits im Frühstücks-Fernsehen diskutiert. Täglich versprechen hunderte Spam-Mails mehr, besseren, längeren, härteren Sex und natürlich ist „Sex“ der mit Abstand meist gesuchte Begriff auf Google.
Ein paar harte Fakten:
12 % aller Websites sind Porno-Sites.
25% aller Suchmaschinen Anfragen betreffen Porno-Begriffe.
35% aller Downloads sind pornographisches Material.
Es gibt ca. 372 Millionen Porno-Websites.
Und jeden Tag kommen 266 neue dazu.
Jede Sekunde werden 89 Dollar für Porno im Web ausgegeben.
2006 machten die Porno-Sites in den USA 2,84 Milliarden Euro Gewinn.
Alle funktionierenden Geschäftsmodelle, Zahlungsfunktionalitäten, Datensicherheit & Co wurden zuerst für Porno-Sites entwickelt. Studien habe es erwiesen: Es ist wesentlich sicherer, sich auf Porno-Sites zu bewegen, als im restlichen Internet. Das heißt, die Sexpages sind frei von Phishing, Spamming und Co.
In Abwandlung eines berühmten Zitates von Gottfried Benn kann man sagen: „Pornographie ist der Vater des Fortschritts im Internet.“
In der Total-Erotisierung der Gesellschaft wird Porno zum anerkannten und geschätzten Geschäft. Porno-Stars werden zu neuen Pop- und Jugend-Idolen und bringen zuweilen sogar Bewegung in die Politik. Der neue Lover von Katja Riemann ist Pornostar, Pornostarlets sind echte Celebrities und kaum ein Star – der wirklich etwas auf sich hält – kommt ohne privates Sex-Video aus.
Ein lustiges Paradoxon am Rande: Es sind immer die anderen, die die Porno-Seiten schauen und dort für das schnelle Vergnügen bares Geld einwerfen. Und obwohl jeder vierte Mann und jede achte Frau regelmäßig Porno konsumiert – sind wir es einmal sicher nicht, sondern eben die anderen. Oder Sie vielleicht?
Doch Sie könnten es sich ja einmal rein aus geschäftlichen Gründen ansehen…

Von der guten Seite der Macht
Verfasst von Robert Seeger unter E-Philosophie am 4. Mai 2007
Heuer treten verfrühte Frühlingsgefühle auf. Können Sie sich eigentlich noch erinnern an DÖF mit „Ich bring die Liebe mit!” – Ja? Im Business allerdings regiert doch mehr der Hass.
Nett zu sein ist eine Schwäche, nur die Harten, Starken und Bösen kommen durch (Das meint schließlich schon die Evolutionstheorie, wobei der Tyrannosaurus dieser These sicher widersprechen würde).
Und während draußen seit einem Monat die Sonne lacht, sehe ich nur Schlechtwetter und Grant in den Gesichtern der U-Bahnfahrer dieser Stadt. Damit bereiten sich die Fahrgäste auf den kommenden Arbeitstag vor, um mit finsterer Miene mehr Erfolg zu haben.
Böse zu sein zahlt sich aus. Böse zu sein ist bereits eine Karriere- und Businessstrategie geworden. Mobbing zum durchaus anerkannten Instrument der Mitarbeiter Regulierung und die Ellbogentechnik führt nicht nur im Slalom zu den Spitzenplätzen.
Böse Mädchen kommen bekanntlich überall (hin), während die Braven es nur in den Himmel schaffen. Das Marketing strotzt voller Kriegsvokabel: da schickt man den Kampfpreis in die Schlacht mit dem Konkurrenten, hat ein Arsenal an Waffen zur Verfügung und eine prall gefüllte Kriegskassa.
Der Falter erzielt sein alljährliches Auflagenhoch mit „Best of Böse”; überall gibt es Anleitungen zum Zicken-Terror oder Schlampen-Alarm.
Das Böse ist eben immer und überall (Aufmerksame Leser erkennen hier schon das dritte Songzitat dieser Kolumne).
In unserer Ellbogen-Gesellschaft zählt jeder nur mehr sicher auf sich selbst, und zielt als Klein-Tell dabei nicht auf den Apfel, sondern gleich auf den Kopf; um einen potentiellen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.
Können Sie sich eigentlich noch an die Prähistorie des Internet erinnern: Damals sprach man von Netiquette, also dem Nettsein im Internet. Wenn man sich allerdings heute die Postings auf ORF Online oder Standard.at durchliest, dann sieht man rasch, dass es sich hinter der Maske der Anonymität offenbar leichter böse sein lässt.
Ich breche diesmal eine Lanze (oder ein Licht-Schwert) für das Nette. Also die gute Seite der Macht. Ganz ehrlich – wann waren Sie zum letzten Mal so richtig nett zu jemand? Wann haben Sie den Anzeigen-Keiler gut behandelt, die Kassiererin am Supermarkt als Person betrachtet und zu einem ganz normalen Termin Blumen und Schokolade mitgebracht?
Und ich spreche von nett sein ohne Hintergedanken – das fällt uns besonders schwer. Also nicht Networking (kommt eben nicht von nett), wo man mit Small Talk Freundlichkeit heuchelt, jedoch nur auf den Endzweck – den persönlichen Vorteil – bedacht ist. Nein, ich meine einfach grundlos höflich, freundlich und nett zu sein.
Und ist die böse Seite nicht stärker? „Nein. Nein…nein. Schneller, leichter, verführerischer,” sagt Meister Yoda. Doch auch mit Freundlichkeit, einem Lächeln und Blumen lässt sich gutes Business machen. Probieren Sie es doch einfach aus.
Ich möchte Linda Kaplan Thaler und Robin Koval für die Inspiration zu diesem Kommentar danken, und verspreche, das nächste Mal wieder zu Zynismus zurück zu kommen.
99 Düsenflieger – jeder war ein großer Krieger
Verfasst von Robert Seeger unter E-Business am 20. April 2007
Mein Herz schlägt mit Mach 3, meine Blutdruck erreicht bald 8 GT, ich fühle mich wie eine Luft-Boden-Rakete kurz vor der Detonation – kurzum ich bin fuchsteufels wild und wütend. Warum? Ich will endlich die Eurofighter. Her mit den Fliegern. Gebt mir meine Abfangjänger, aber gebt bitte endlich eine Ruh’ mit dieser endlosen Diskussion.
Gibt es eine schnellere Mastrubationshilfe als 18 über ein Stadion brausende Kampf-Flugzeuge, die mit buntem Rauch die österreichische Fahne in den Himmel jetten (Naja vielleicht 24 Flieger). Vielleicht ist das der Sinn, aber die Sinnfage ist ohnehin sinnlos geworden; denn wir haben uns nun einmal für den Kauf entschlossen.
Aber anstatt sich um viele andere wichtige Probleme zu kümmern (Arbeitslosigkeit, Schulreform, Wirtschafts-Wachstum etc..) lebt die Regierung nur mehr für den Euro-Fighter Ausschuss. Die österreichische Bundesregierung hat defacto aufgehört zu existieren. Auf den Schweigekanzler folgte der U-Kanzler Gusenbauer, der unter der Vergangheit in Tauchstation gegangen ist. Statt sich um die Zukunft zu kümmern, wird nur die Vergangeheit beleuchtet. Ich kann es schon nicht mehr hören und sehen: Jeden Tag entstehen durch die Eurofighter ca. 150.000 Euro volkswirtschaftlicher Schaden.
In dem ganzen Kasperltheater spielen Cap und Pilz die naiven Ministranten, die von der echten Welt keine Ahnung haben wollen. Aufwachen! Wir haben Waffen gekauft. Kampfjets mit denen man Dörfer in Schutt und Asche legen kann, Flugzeuge vom Himmel bombt – damit wird Krieg geführt. Basta. Und hier ein blütenweißes Geschäft zu erwarten, ist so verlogen, wie nach dem Dorgendeal nach dem Fairtrade Siegel zu fragen.
Also Schluss damit! Fangt endlich an zu arbeiten und gebt uns unsere Jets. Bezüglich den fehlenden Software Lizenzen empfehle ich eine gecrackte Version von einem Al Kaida-Server zu laden.
Übrigens EADS: Gerne machen wir eine “Rettet den Eurofighter.at” Plattform zu euren üblichen Honorarsätzen. Bitte melden.
Fußball war unser Leben
Verfasst von Robert Seeger unter E-Business am 13. April 2007
Ach, was waren das für herrliche Zeiten, als wir noch am Stehplatz-Hügl der Grubn standen und dem SK Raika Sturm Graz zu jubelten. Um seinen hart erkämpften Stehplatz nicht aufzugeben, wurde einfach in den Bierbecher gepisst und dieser nach vorne geworfen.
Was waren das noch für Zeiten als wir nur drei Legionäre einsetzen durfen, welche Spannung welche Jugos wir diesmal einkaufen. Wie spannungsgeladen waren die zwei jährlichen Grazer Stadtderbys, wie schrecklich, wenn uns wieder Eddi Glieder das entscheidenden Türl machte. Da war Verein noch Tradition; der Fußball unsere Religion und der Ball das Leben.
Doch heute ist alles anders: Der Österreichische Fußball hat defakto aufgehört zu existieren. Heute spielen mit Rapid und Austria gerade einmal noch zwei Traditionsklubs, daneben gibt es den Dosen-Retorten Club Red Bull und ein paar hochgezüchtete Dorf-Vereine, die ihre Lizenzen an den Bestbieter weiter verscherbeln.
Was ist der Grund für den Untergang einer doch traditionsreichen Fußballnation. Nun es gibt sicher unterschiedlichste Grunde.
1) Der immer stärker werdende Einfluss der Wirtschaft und des Geldes. Fußball war immer Kult und Religion – heute ist es ein massiver Wirtschaftsfaktor. Vereine und Spieler waren Ikonen und Heilige, heute sind sie Wirtschaftskonzerne und Werbeträger. Aber an der Spitze standen weiterhin Gurus oder Laien-Priester, aber keine Manager. Und es hat sich auch herausgestellt, dass nicht jeder gute Kicker auch ein fähiger Manager ist.
2) Die unglaublich hohen Gehälter ohne Bezug zur geleisteten Arbeit – und oh nein, damit meine ich nicht die fußballerische Qualität oder die wöchentlichen Arbeitsstunden – sondern den Return of Investment, den ein Spieler dem Verein bringt. Und da gibt es in Österreich ein unglaubliches Missverhältnis.
3) Größenwahn und Stolz…
4) Verrat an den Trägern der Fußball-Kultur: den Fans. Du kannst alles wechseln, aber niemals den Verein. Heute aber werden Traditionen, Vereinsfarben nach unternehmenspolitischen Gesichtspunkten verändert.
Wer gestern ManU gesehen, der hat noch ein Stück alter Fußball-Tugend gesehen: ein Trainer der seit über 20 Jahren dabei ist, Ryan Giggs seit 16 Jahren in der ersten Mannschaft, Ole-Gunnar 180 Tore bereits usw.
Könnt ihr euch vorstellen: Das Old Trafford heißt plötzlich UPC Arena und dort spielt Red Bull Manchester in pur-pur Dressen.
In dieser Fußball-Welt möchte ich nie leben.
Karfreitags-Predigt
Verfasst von Robert Seeger unter E-Mix am 6. April 2007
Liebe Gemeinde, liebe Jünger des World wide Web.
Jesus starb nicht umsonst am Kreuz. Das Geheimnis des christlichen Glaubens ist heute erlebbar ja sogar bespielbar.
Dank 2nd Life ist die zentrale Christliche Heilserwartung technisch realisiert worden (Dank an Peter Weibl für das Bild). Endlich braucht man nicht mehr im Ungewissen bis ans Lebensende warten, ob es ein zweites Leben gibt. Nein das Paradies ist jetzt jederzeit – per Click – erreichbar. Und wie paradiesisch es dort ist: Alles dreht sich nur um Shopping, Unterhaltung, Geld und Fxxxxn. Mann und Frau können nicht sterben, nicht krank werden und sind von den irdischen Gelüsten des Essens oder Trinkens befreit. Und man muss dafür nicht einmal ein gutes Leben führen, sondern nur einen guten Internet-Anschluss haben.
Amen, ich sage euch: Das Internet ist das Paradies und Google euer 5. Evangelium. Suchet und ihr werdet finden. Amen und frohe Ostern.
Übrigens - und das passt jetzt gar nicht mehr dazu: In der Steiermark kommt der Osterhase schon einen Tag früher als in der restlichen Welt. Steirer feiern bereits am Nachmittag des Karsamstages die Auferstehung bei Ostergsöchtn und Schücha. Wohl in dem festen unerschütterlichen Glauben an die Auferstehung.
Brave New Virtual World
Verfasst von Robert Seeger unter E-Philosophie am 17. März 2007
Kennen Sie eigentlich Svarga? Nein? In welcher Welt leben Sie denn? Offenbar nicht in der virtuellen. Svarga liegt in einer virtuellen Computerwelt namens »Second Life«. Vor sechs Jahren wurde sie von »Linden Lab« erschaffen, und seither haben knapp 3 Millionen Siedler ein neues, besseres „Second Life“ begonnen. Aber was steckt hinter diesen virtuellen Fluchtträumen auf den Bildschirmen?
In dem 1932 geschriebenen Roman „Schöne neue Welt“ beschreibt Aldous Huxley eine Gesellschaft in der „Stabilität, Frieden und Freiheit herrschen“ – allerdings durch Konditionierung des Einzelnen, dem Fehlen von echten Gefühlen und der Beschränkung von Kultur und Religion. Sehen wir jetzt in den virtuellen Parallelwelten wie „Second Life“ oder „World of Warcraft“ eine schöne neue Welt, vielleicht sogar ganz ohne Wenn und Aber?
Wir erleben heute eine neue Welle der Immigration bzw. der Emigration – und ich meine damit keine illegalen Grenzgänger – sondern die so genannten „Digital Immigrants“.
Also die Einwanderer in eine neue bessere digitale Welt – es erinnert ein wenig an die Goldgräberstimmung und den Aufbruch zum Klondike – auch hier werden nur Wenige reich und die Meisten bleiben mit ihren Träumen alleine zurück.
Ist die Flucht in das Virtuelle zugleich ein Blick in unsere Zukunft? Ist Second Life die begehbare und erlebbare Glaskugel, um bereits heute Zukunft am eigenen – oder eben am virtuellen – Leib zu erfahren? Und welch schöne neue Welt wartet dort auf uns: Friede, Freiheit und alle Menschen können auch noch fliegen.
Die Einwanderer in Second Life erschaffen sich eine völlig neue Identität: Name, Geschlecht, Aussehen sind frei zu gestalten. Ein so genannter Avatar wird zum Alter Ego, der in dieser neuen Welt leben darf – frei von Sorgen.
Denn niemand braucht zu altern, niemand muss sterben, niemand wird krank, es gibt keine Umweltverschmutzung, keinen Hunger und keine Krieg. Körperteile lassen sich nachkaufen und wechseln wie Kleiderstücke: Trage ich heute große Brüste oder doch kleine – steht mir der Waschbrettbauch oder die Bierwampe besser? Täglicher Körper-Wechsel ist kein Problem.
Dieser neuen Welt bleibt auch der Konsum nicht fern – denn irgendetwas muss man ja auch erleben. Es gibt echte Wirtschaftsabläufe, eine eigene Währung – den „Linden Dollar“ – die auch in reales Geld zurückgetauscht werden kann. Anfang 2007 wurde pro Tag eine Million Dollar ausgegeben. Über 20.000 Teilnehmer sind gleichzeitig in dieser Parallel-Welt unterwegs. Immer mehr reale Unternehmen eröffnen Niederlassungen: Der Springer Verlag produziert täglich die digitale Zeitung „Avastar“, die schwedische Botschaft hat ihre Pforten eröffnet, es gibt Banken und Flagshipstores von Adidas, Puma oder Sony. 14.000 Geschäfte sind bereits aktiv. Avatare bieten ihre Dienstleistungen an – von Singen, Werbung bis hin zum Bauen von Häusern – und dafür gibt es Geld. Wächst hier die virtuelle mit der realen Welt zusammen?
Ist das die Erfüllung einer Utopie – ist Second Life oder World of Warcraft einer dieser Nicht-Orte, die bisher nur als Gedanke und Idee existierten - ein erfüllter und begehbarer Wunschtraum? Eine echte schöne neue Welt? Oder ist es doch nur eine Dystopie – eine Gesellschaft die sich zum Negativen entwickelt?
Denn bei allen schönen Visionen der virtuellen Welt – bleibt doch vielfach ein Realitätsverlust zurück. Der Rückzug wird zur Abhängigkeit, das Aufhören zum Entzug. Das reale Leben hat keine Bedeutung mehr und ist nur mehr lästiges Beiwerk – denn leider muss man noch essen und manchmal schlafen, auf waschen lässt sich verzichten. Und echte soziale Kontakte oder gar familiäre Verbindungen lassen sich für den „Digital Immigrant“ nicht aufrechterhalten.
Aber verständlich oder? Wenn der Herr der 40-köpfigen Gilde – nachdem er gerade einen Feuer speienden Drachen erlegt hat – von seiner Frau hört: „Zieh die Schuhe aus, trag den Müll raus“, wird verständlich warum man von Hausdrachen spricht.
Wird aus Second Life einmal unser Real Life? – Werden Geschäfte nur mehr virtuell geknüpft, besiegt Cyber Sex alle bösen Geschlechtskrankheiten und treffen wir unsere Freunde und unsere Kinder nur mehr in teleoptischer Präsenz? Vielleicht…
Aber leben wir dann auch noch?
Lebst du noch oder xingst du schon?
Verfasst von Robert Seeger unter E-Philosophie am 12. Februar 2007
Ich gestehe: Ich bin dabei. Wer will nicht auch vernetzt sein: endlich alle seine alten Freunde wieder finden, verflossene Geliebte aufwärmen, neue Beziehungen jeder Art knüpfen und das große Geschäft machen. Willkommen in der Welt der sozialen Netzwerke: Familie, Freundeskreis, Dorf-Gemeinschaft oder Vereine haben ausgedient, heute bist nur jemand, wenn du bei Xing, My Space, facebook, Frienstler, StudiVZ, oder den Lokalisten dabei bist.
Das romantische „Du entschuldige i kenn di, bist du net die klane die i scho als Bua gern g’hobt hob.“ von Peter Cornelius wird zum millionenfach gedrückten „einladen“ „vorstellen“ Button. Endlich können wir uns mit all diesen Leuten vernetzen, die wir schon früher nicht leiden konnten. Macht nichts, Hauptsache sie haben viele Buddys, Kontakte und Freunde. In Zukunft wird wohl auch unser soziales Ansehen von der Anzahl der Kontakte in Social Software Systemen abhängig sein.
Dem Erfolg der Business-Lobbying Plattformen wie Xing ist neben der Social Software das umstrittene Phänomen der kleinen Welt, das 1997 von Soziologen Stanley Milgram geprägt wurde. Vereinfacht ausgedrückt besagt es, dass jede einzelne Person nur 6 Personen entfernt ist. Das heißt also, sie möchten Bill Gates kennen lernen, dann müssen Sie nur die fünf Personen vor ihm kennen lernen.
Soweit die Theorie, die wirklich wunderbares verspricht. Aber irgendwie haben sich die Reichen und Schönen dieser Welt noch nicht in die sozialen Netzwerke verirrt. Meine verzweifelte Suche nach dem Xing oder Frienster Eintrag von Gisele Bündchen, Jennifer Lopez oder Shakira brachte jedenfalls noch keine Ergebnisse.
Es ist fast schon uncool echte Freunde zu haben. Obwohl um Freundschaft geht es in solchen Netzwerken ohnehin nicht: Bei Xing will jeder nur etwas verkaufen (und sei es nur sich selbst) und bei privaten Plattformen wie Lokalisten und Co. geht es auch um Eigenmarketing, und zwar für eine schnelle Nummer. Aber Vorsicht: der interaktiv angebandelte Intercoitus könnte rasch zum peinlichen Interruptus führen. Dann nämlich, wenn bei der virtuellen Identität etwas nachgeholfen wurde und die Kluft zur Realität unüberwindbar wird.
Hat früher maximal der Wonderbra stehende Träume in die schlaffe Wirklichkeit verwandelt, ist jetzt gleich die gesamte Packung samt Inhalt gemogelt. Fotos sind selten authentisch, mit dem Alter wird geschummelt, das Geschlecht – naja so genau müssen wir es ja nicht nehmen -von Familienstand und echten Absichten einmal ganz zu schweigen.
Automatisierte Geburtstagsgrußkarten, Freundschaftspflege-Tools und Beziehungsmanagement-Software – alles wird digital und virtuell. Nur keinen echten Kontakt mehr – naja wir wissen ja ohnehin nicht genau, wer sich hinter sexy_shakira_23 verbirgt.
Das war Marketing von gestern
Verfasst von Robert Seeger unter E-Kritik am 15. Januar 2007
Google lehrt die Agenturen das Fürchten, steht so schön in der aktuellen Ausgabe von economy. Das glaube ich aber nicht, denn bekanntlich sind klassische Agenturen und alt eingesessene Werbe-Berater garantiert furcht- und beratungsresistent.
Alles wird bleiben und alles wird damit auch immer besser – behaupten schon ÖVP und ORF, wobei die positiven Trends mit freien Augen kaum wahrnehmbar sind. Einspruch! Sicher könnten Marktstudien genau das Gegenteil beweisen.
Wobei, eurer Ehren, es ist mir egal – Einspruch abgelehnt. So locker heute auch Imponier-Vokabeln wie Web 2.0 über die Lippen jedes frisch gefangenen Marketing-Assistenten kommen – so 08/15 sind wir doch in der Praxis.
Das was überall – für zugegeben teures Geld – als Online Marketing verkauft wird, entpuppt sich beim aufmachen als schöner Wunderbra, der viel verspricht, aber einen dann doch nur hängen lässt. Einspruch! Sexistische Bemerkung.
Ok, zugegeben, Geschmäcker sind verschieden, einer mag Birnen der andere Äpfel – vielleicht stehen viele Unternehmen auf den Optik-Effekt ohne befriedigendes Erfolgserlebnis. Naja mir kann das egal sein – denn wer Online-Marketing in Zukunft wie ein alter Feldherr fährt, wird garantiert sein Waterloo erleben. Oder um es mit den Lyrics von Robinson zu sagen: Das war Marketing von gestern, aber gestern ist vorbei…
Manchmal seh’ ich alte Banner
mit fixem Platz für viele Jahr’
Ganz klein ist da die Klicker-Rate,
denn da war Humphrey Bogart drin.
Nicht zu vergessen die Agentur’n
der Lugi Schober mit weiß’n Frack
der kleine Demner und Konsorten
da splittert schon der alte Lack.
Das war Marketing von gestern
Das war Marketing von gestern
aber gestern ist vorbei…
Und das Geschäft mit Provisionen
das macht den Werbeplaner froh
einmal gebucht und stets kassiert
Heut’ gibt es sowas nirgendwo.
Das war Marketing von gestern
Das war Marketing von gestern
aber gestern ist vorbei…
Manchmal seh ich alte Hunde
Erfolg wird dabei nie gemessen,
bauen Websites wie vor Jahren.
Ja, das ist wirklich zu vergess’n…
Das war Marketing von gestern
Das war Marketing von gestern
aber gestern ist vorbei…
[Anm.: Bald als Klingelton im Jamba SparAbo zu haben]
Ich bin ich und die Person des Jahres
Verfasst von Robert Seeger unter E-Mix am 2. Januar 2007
Wer nicht weiß,
wie er heißt.
Wer vergisst,
wer er ist.
Der ist dumm,
bumm.
Ich weiß, jetzt wer ich bin: Die Person des Jahres 2006.
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Jetzt hab ich es endlich schwarz auf weiß bzw. auf dem roten Cover: Ich bin die Person des Jahres 2006. Ich habe die Welt nachhaltig verändert. Geahnt habe ich das ohnehin schon lange, jetzt hat es das Time Magazin endlich auch offiziell anerkannt.
Dass ich es je als „Person of the Year“ aufs Time Magazin Cover schaffe, hielt ich bisher so wahrscheinlich, wie für Österreich im Fußball WM Finale den entscheidenden Treffer per Fallrückzieher in den letzten 20 Sekunden der Verlängerung zu erzielen.
Aber manchmal werden Weihnachts-Märchen eben wahr! Leider muss ich meinen Titel mit geschätzten 1.076.203.987 Menschen weltweit teilen. Den anderen Internet-Usern dieser vernetzten Welt. Pech für alle die erst jetzt erstmals online sind, sie können sich diese Auszeichnung nicht mehr auf die Fahnen heften.
Offenbar war 2006 ein ganz entscheidendes Jahr für das Internet – wir alle haben die Welt heuer nachhaltig verändert. Was? Sie etwa nicht? Schämen Sie sich und geben Sie den Titel zurück.
Oder ist das am Ende doch nur ein genialer Marketing-Schachzug? Denn natürlich wird sich jeder Sieger, in einem euphorischen narzisstischen Ego-Rausch ein Erinnerungsexemplar kaufen. Und das Times Magazin erreicht eine unfassbare verkaufte Auflage von über einer Milliarde.
Und überhaupt hat ein neuer erlangter Ruhm auch seine Schattenseiten: Jetzt stehe ich auf einer Stufe mit meinem zweifachen Vorgänger Georg W. Bush (der vielleicht heuer den Hattrick geschafft hat) bzw. dem Sieger 2004: den Amerikanischen Soldaten.
Im Lichte dieser Vorgänge wollte ich zuerst meinen Titel offiziell zurücklegen, aber dann habe ich es mir doch anderes überlegt: Denn im Vergleich zu Georg W. Bush und seinen Soldaten, habe ich doch relativ viel zum Weltfrieden beigetragen.
Welche „Person of the Year“ Titel könnten noch folgen? Ich schlage vor Handyphonierer, I-Podianer, You-Tuber, Wellnesser, Single-Haushalte, Rucksack-Bomber, Billigflieger, 2ndLifer, Schnäppchenjäger oder Karl-Heinz Grasser.
In diesem Sinne – liebe Mitpersonen des Jahres – wünsche ich Ihnen eine gesegnetes Weihnachtsfest, einen sturzfreien Rutsch und eine erfolgreiche Titelverteidigung 2007.