True Fruits Smoothies – toxisch nicht genial

Ich war ein großer True Fruits Smoothies Fan – heute lehne ich es ab. Mir hat die Werbung gefallen und die Glasflaschen sowieso. Dann aber hat sich der kleine Saftladen, ein eigenes Weltbild gepresst, meine Tochter als dumm hingestellt und begann toxisch zu manipulieren.

Es mag überraschen: Denn ich predige selbst auf jeder Bühne mit lauter Stimme: „Traut euch mehr!“ – „Eckt an“ – „Polarisiert!“ „Seid kratzig!“ – Ich finde Werbung und Marketing darf das und es muss ja nicht jedem gefallen. Viele Jahre habe ich True Fruits Smoothie als Best Practice Beispiel gebracht und war voll des Lobes und der Bewunderung. Und natürlichen haben sie ganz bewusst mit Klischees, Sexismus und Rassismus gespielt – das ist die Strategie.

Übrigens keine geniale Strategie – sondern die einfachste für viel Reichweite – nur erfodert sie auch ordentlich Mut – mehr Courage als die meisten Unternehmen haben. Und da waren auch wirklich lustige Sprüche und Ideen dabei. True Fruits Smoothies wurde so zum gefeierten Darling der Branche, von Konferenz zu Konferenz gerecht, verteidigt von Karl dem Großen und andern Social Granden.

Und all dieser Erfolg und Zuspruch scheint dann zu viel geworden zu sein – es führte zu einem Realitätsverlust und einer totalen Selbstüberschätzung.

Solange True Fruits Smoothies gesagt hat: „Ja wir wollen ganz bewusst provozieren, das ist unsere Strategie und wenn es dir nicht gefällt, dann kauf einen anderen überteuerten Fruchtsaft.“ – solange war – zumindest für mich – alles ok.

Doch dann plötzlich hat True Fruits Smoothies angefangen die eigene Sichtweise zu glorifizieren und anders Denkende zu verurteilen. Und immer dann, wenn jemand versucht, die Meinung anderer zu manipulieren oder anders Denkende/Fühlende zu diskriminieren – als dumm oder humorlos hinzustellen – überschreitet Werbung die Grenze zu toxisch.

Das eigene Weltbild begann bereits im Februar diesen Jahres mit diesem Statement – da wurde die eigene Werbung gleich mal zur größte Kampagne gegen rechts umgedeutet:

Liebe Freunde, liebe vermeintlich Diskriminierte, liebe Dumme,uns erreichen zurzeit über die sozialen Netzwerke einige…

Posted by true fruits Smoothies on Thursday, February 14, 2019

Wie heißt es so in dem Text treffend: „Aber in einem Punkt, das müssen wir uns eingestehen, sind wir anscheinend diskriminierend! Wir sind diskriminierend gegenüber dummen Menschen, denn dumme Menschen schließt unsere Art der Kommunikation eindeutig aus. Sie ist schlichtweg nicht für Dumme gemacht und wird sie auch nie sein, das tut uns leid.”

Und hiermit war die Grenze zum toxischen überschritten. Seit damals tragen auch die Flaschen den Hinweis: „Achtung, diese Werbung könnte von dummen Menschen missverstanden werden!“

In immer längeren, immer verworreneren Statements wird zum Rund-Umschlag gegen alle anders Denkenden ausgeholt, die per se als Radikale und Idioten verunglimpft werden. Nur True Fruits Smoothies weiß, was richtig ist und was lustig ist. Und wenn du den Penis am Rücken einer Frau sexistisch empfindest, dann hast DU ein Problem – niemals aber der kleine Saftladen mit selbst gepresstem Weltbild.

Liebe Freunde, liebe Andere, es ist mal wieder so weit. Die Welt geht gerade unter für eine Gruppe von Menschen, die…

Posted by true fruits Smoothies on Saturday, August 17, 2019

„Manche finden es lustig und ok – andere halt nicht. Sexistisch ist es jedoch auf keinen Fall.”

Meine 16jährige Tochter hat den Penis gar nicht lustig gefunden, sie hat es als sexistisch empfunden – also ist sie laut der True Fruits Definition dumm. Übrigens hat meine Tochter vorher die Smoothies gerne und oft getrunken.

In der toxischen Welt-Konstruktion gleitet True Fruits Smoothies in gefährliche Gewässer ab. Ich glauben ihnen sogar, dass sie selbst 100% frei von Sexismus und Rassismus sind – allerdings, sollten sie auch akzeptieren, dass andere es auch anders empfinden können. Mit Kritik muss man leben können – ohne die Kritiker zu verurteilen – sonst sollte man andere Werbung machen.

Schade eigentlich für True Fruits Smoothies.

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