Ministrien Websites sind durchgefallen

Selbst als gutmütiger Web-Lehrer kann ich den Ministerien Websites kein gutes Zeugnis ausstellen. Durch die Bank sind das alles keine Musterschüler und haben großteils sogar Ihre Aufgaben vergessen.

Allen gemeinsam ist das fast protzige Überangebot an Informationen, Inhalten und Themen. Da drängt sich mir der Verdacht auf, dass mit diesem Überangebot, Arbeit und Leistung vorgetäuscht werden soll. Das 1 Mal 1 der Usability ist vielen Ministerien noch völlig fremd – in der Bedienbarkeit der Seite heißt es „nachsitzen“.

Auch bei der entscheidenden Prüfung nach der Relevanz der Inhalte sind die angetreten Websites durchgefallen. Zu Ihrem Bürgerservice und der staatstragenden Funktion ist der Prüfer meist gar nicht vorgedrungen.

Keine einzige der Ministerien Websites konnte mit sehr gut abschneiden, zwei Schüler müssen die Klasse sogar wiederholen.

Hier die Rankliste samt Noten und verbaler Beurteilung:

Justizministerium – www.bmj.gv.at; Note 2; Rang 1
Hat gute Services, die leicht zu finden sind. Die Seite ist relativ schön, die Ministerin dezent im Hintergrund. Solide Aufmachung, passt zum Ministerium, schaut „unbestechlich“ aus. Wenig auszusetzen.

Außenministerium – www.bmeia.gv.at Note: 2; Rang: 2
Gehört zu den besseren Seiten, hat ein paar Usability-Schwächen, aber viele wichtige Inhalte, auch Bürgerservice, Reisewarnungen, aber gut versteckt, man muss viel suchen. Startseite sehr Plassnik-lastig, viele Fotos von Handshakes mit Staatsmännern. Man merkt, man ist im Ministerium: staatstragend. Das gehört irgendwie dazu. Andere Seiten schauen dagegen aus wie ein Schulprojekt, das ist traurig. Schade: Die Landkarte auf der Seite ist ein großes Element, hat aber leider keine Funktion. Ansonsten: saubere Leistung!

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur – www.bmukk.gv.at Note 2; Rang 3
Navigation und Usability gut und ohne Merkwürdigkeiten. Das Angebot der Services ist leider auch eher schwach. Im Eingangsstatement lobt die Ministerin die Interaktivität und Serviceorientiertheit ihrer Website, die es aber so nicht gibt. Sonst ist aber alles da. Es wirkt auch wie ein Ministerium. Gehört zu den besseren Seiten.

Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung – www.bmwf.gv.at; Note 2; Rang 4

Diese Seite ist neu und hat es vor Minister Hahn noch nicht gegeben. Die Reihenfolge der Menüpunkte ist eigenartig, oder ist die Geologische Bundesanstalt viel wichtiger, als ich bisher dachte. Lustig: Beim Header, der grafischen Überschrift, wurde getrickst. Klickt man einen Fachbereich an, bleibt er klein und schwarz/weiß, klickt man auf den Minister, wird er groß und in Farbe animiert. Die Site ist sehr personenlastig, auch von der Bildsprache her. Ansonsten ordentlich gemacht, wirkt durchaus ministerial. Bürgerservice schwach.

Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz – www.bmsk.gv.at Note: 3; Rang 5
Wirkt weniger überladen als die anderen Auftritte und ist auf den ersten Blick nüchtern, schlicht und neutral. Die Blog-Idee ist sehr nett, aber etwas zu detailreich. Sozialminister Erwin Buchinger (SPÖ) rezensiert seine zermürbenden Arbeitstage beinahe minutengenau. Was auch bei den anderen gilt: Wirklich zu dem Service zu kommen, das man sucht, ist schwer. Solides Mittelfeld der Seiten.

Bundeskanzleramt – www.bka.gv.at Note: 3; Rang: 6
Ganz gut. Services, Gebärdensprache und die Möglichkeit einer alternativen Darstellung. Was aus der Seite nicht hervorgeht: warum gibt es eigentlich ein Bundeskanzleramt? Das verrät diese Seite nicht! Trotzdem gehört diese Seite zu den Besseren. Witzig: Auf den Seiten des Kanzleramts steht zu lesen, ein gewisser Herr Norbert „Darabosch“ habe sich gegen einen Totalausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag ausgesprochen.

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft – www.bmlfuw.gv.at Note: 3; Rang: 7
Eigentlich nur sehr schwer als Ministerium erkenntlich. Da würde man alles Mögliche vermuten, nur kein Ministerium. Die Navigation verhält sich sehr eigenartig – verschiedenste merkwürdige Dinge verändern sich, wenn man wo draufklickt. Sehr verwirrend. Unglaubliche Menge an Inhalten. Die Seite ist sehr stark „Pröll-lastig“; das haben Homepages der anderen Minister nicht unbedingt. Benutzt man die Suche bekommt man Ergebnisse, die nach keinem Kriterium gereiht sind. Allerdings schöne Bilder.

Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit – www.bmwa.gv.at Note 3; Rang 8
Sehr informationslastig. Keine Bilder, wenig Farben, es dominieren Themen und Inhalte. Die Seite vermittelt: Hier ist das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit – hier wird gearbeitet! Nomen est omen. Merkwürdige Navigation. Die angebotenen Services sind witzig: Bisher wusste ich nicht, dass die Sommerzeit ein Service des BMWA ist.

Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie – www.bmvit.gv.at; Note 4; Rang 9
Die Startseite ist offenbar später zugefügt worden, wirkt unfertig oder nicht dazugehörend. Überwindet man diese Hürde, kommen einem extrem viele Inhalte entgegen, aber man findet sich ganz gut zurecht. Solide, unauffällige Seite. Staatssekretärin Kranzl sticht Herrn Faymann sehr oft aus und ist auf vielen Fotos zu sehen. Den Minister sieht man gar nicht. Man sieht der Seite an, dass sie schon alt ist – wahrlich kein Aushängeschild der Innovation.

Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend – www.bmgfj.gv.at Note: 4; Rang: 10
Auf den ersten Blick ist die Seite extrem überlastet. Es gibt gewaltig viel an unterschiedlichen Informationen, die als gleichwertig dargestellt werden. Manche Elemente der Seite erinnern an die Anfänge des Internet. Ansonsten: Die Seite macht sich nicht als jene eines Ministeriums erkenntlich und es gibt kein Service. Die vielen Themen machen es sehr schwierig, etwas Brauchbares zu finden.

Finanzministerium – www.bmf.gv.at Note 4; Rang: 11
Die Seite schaut so aus, wie man sich die eines Finanzministeriums vorstellt: bürokratisch, formalistisch, und man fühlt sich wie bedroht durch den Adler. Extrem unübersichtlich, kaum Text, nur ein Link nach dem anderen, zack, zack, zack. Vom Minister ist wenig zu sehen. Man bekommt den Eindruck: Nur wer dringend ein Formular braucht, geht hin. Diese Seite benutzt man nur, wenn es unbedingt sein muss.

Innenministerium – www.bmi.gv.at; Note: 4; Rang 12
Auf der Homepage des Innenministeriums kommt der Name Günther Platter (ÖVP) fast nirgends vor. Das Design passt zum Ministerium, es hat diesen Ostblock-Stasi-Charme. Der erste Menüpunkt: Fahndungen. Die Navigation funktioniert leider nicht; unter „Fahndungen“ kommt man nicht zu Fahndungen, sondern zum Bundeskriminalamt. Beim Ansurfen der Seite dachte ich: „Hoffentlich habe ich mit denen nie was zu tun!“ Vielleicht gibt’s dort nützliche Services, aber bis dorthin will man gar nicht vordringen.

Sportsekretariat des Bundeskanzleramts – www.sport.austria.gv.at Note: 5; Rang: 13
Gehört sicher zu den schlechtesten und schwächsten Seiten. Extrem verwirrende Navigation, Einteilung strikt nach „Sektionen“, das ist sinnlos. Definitive Verhöhnung des Bürgers: Unter „Service“ werden ein „Inhaltsverzeichnis“ und „Hinweise zur Benützung des Webportals“ angeboten! Das soll Service sein? Das, was Sport eigentlich ausmacht, kommt auf der Seite gar nicht rüber.

Bundesministerium für Landesverteidigung – www.bmlv.gv.at Note 5; Rang 14
Diese Seite fällt völlig aus dem Rahmen, denn lustigerweise ist sie nicht vom Ministerium, sondern nur vom Bundesheer. „Tarnen und Täuschen“ selbst im Umgang mit den eigenen Bürgern. War der Eurofighter so teuer, dass für Website kein Geld mehr da ist? Das Heer ist offenbar entmenschlicht – auf dem virtuellen Kasernenrundgang ist kein Mensch zu sehen. Sehr schlecht programmiert. Über das Ministerium oder den Minister findet man nichts.

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