Fußball war unser Leben

Ach, was waren das für herrliche Zeiten, als wir noch am Stehplatz-Hügl der Grubn standen und dem SK Raika Sturm Graz zu jubelten. Um seinen hart erkämpften Stehplatz nicht aufzugeben, wurde einfach in den Bierbecher gepisst und dieser nach vorne geworfen.

Was waren das noch für Zeiten als wir nur drei Legionäre einsetzen durfen, welche Spannung welche Jugos wir diesmal einkaufen. Wie spannungsgeladen waren die zwei jährlichen Grazer Stadtderbys, wie schrecklich, wenn uns wieder Eddi Glieder das entscheidenden Türl machte. Da war Verein noch Tradition; der Fußball unsere Religion und der Ball das Leben.

Doch heute ist alles anders: Der Österreichische Fußball hat defakto aufgehört zu existieren. Heute spielen mit Rapid und Austria gerade einmal noch zwei Traditionsklubs, daneben gibt es den Dosen-Retorten Club Red Bull und ein paar hochgezüchtete Dorf-Vereine, die ihre Lizenzen an den Bestbieter weiter verscherbeln.

Was ist der Grund für den Untergang einer doch traditionsreichen Fußballnation. Nun es gibt sicher unterschiedlichste Grunde.

1) Der immer stärker werdende Einfluss der Wirtschaft und des Geldes. Fußball war immer Kult und Religion – heute ist es ein massiver Wirtschaftsfaktor. Vereine und Spieler waren Ikonen und Heilige, heute sind sie Wirtschaftskonzerne und Werbeträger. Aber an der Spitze standen weiterhin Gurus oder Laien-Priester, aber keine Manager. Und es hat sich auch herausgestellt, dass nicht jeder gute Kicker auch ein fähiger Manager ist.

2) Die unglaublich hohen Gehälter ohne Bezug zur geleisteten Arbeit – und oh nein, damit meine ich nicht die fußballerische Qualität oder die wöchentlichen Arbeitsstunden – sondern den Return of Investment, den ein Spieler dem Verein bringt. Und da gibt es in Österreich ein unglaubliches Missverhältnis.

3) Größenwahn und Stolz…

4) Verrat an den Trägern der Fußball-Kultur: den Fans. Du kannst alles wechseln, aber niemals den Verein. Heute aber werden Traditionen, Vereinsfarben nach unternehmenspolitischen Gesichtspunkten verändert.

Wer gestern ManU gesehen, der hat noch ein Stück alter Fußball-Tugend gesehen: ein Trainer der seit über 20 Jahren dabei ist, Ryan Giggs seit 16 Jahren in der ersten Mannschaft, Ole-Gunnar 180 Tore bereits usw.

Könnt ihr euch vorstellen: Das Old Trafford heißt plötzlich UPC Arena und dort spielt Red Bull Manchester in pur-pur Dressen.

In dieser Fußball-Welt möchte ich nie leben.

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