Zurück in die Zukunft

„Zukunft“ – Zauberwort unserer Träume, denn morgen fangen wir ein neues Leben an, morgen wird alles besser und wenn wir nur schon heute wissen, was morgen passiert, können wir heute schon mit morgen beginnen. Aber bekanntlich ist heute morgen gestern – und das schneller als man denkt.

Unternehmen geben Unsummen aus, um einen scheinbaren Blick in die Zukunft zu erha-schen und dann mehr Erfolg zu haben – doch meist bleibt es beim frommen Wunsch al-lein…

Der Wunsch, die Zukunft zu ergründen, ist so alt wie die Menschheit selbst.
Die Wikinger haben Runen geworfen, die Seher der Gallier Fische seziert, um aus ihren Eingeweiden zu lesen. Nostradamus las so wie die Sterndeuter des Orients im Nachthim-mel die Zukunft. Die Griechen stiegen hinab in das Orakel, die Römer beobachteten den Flug der Schwalben und  im Mittelalter wagte frau den Blick in die Glaskugel. Die Schama-nen der Indianer ritten auf ihren Trommeln in das Tranceland. Und daneben gibt es noch viel weitere Techniken der Wahrsagerei: Traum, Astrologie, Bibelstechen, Münzwurf, Pen-deln, I Ging, Tarot, Skatkarten, Kaffeesatzlesen, Numerologie, Blutgruppen, Stirn- und Handlinien oder zu Sylvester Bleigießen.

Phonetisch, aber auch semantisch stehen sich Wahrsager und Ja-Sager sehr nahe – denn im Zweifelsfall wird die Zukunft rosig gemalt. Vieles ist umsonst, aber meistens nicht ge-schenkt. Unternehmen bedienen sich einer besonders teuren Art der Zukunftsprognose: Marktforschung und Meinungsumfragen. Was diese bringen, hat man ja bei der letzten Wahl gesehen.

Und wozu überhaupt? Jede Studie ist bereits wieder verlebte Vergangenheit in der Echtzeit der Business-Welt. Die Folge: Marketing trifft Entscheidungen mit Daten aus der Vergan-genheit, aber dafür werden utopische Preise bezahlt. Die Utopie der erfolgreichen Zukunft bleibt eben nur Utopie.

Dabei haben wir alle die Zukunft direkt vor den Augen – täglich Stunden lang. Die Zukunft steckt im Internet. Die virtuelle Echtzeit tötet die Gegenwart – und Vergangenheit und Zu-kunft laufen nahtlos ineinander über. Die Konsequenz: Die Echtzeit im Netz ist zugleich die unmittelbare Zukunft.

In Echtzeit zu agieren heißt, in der Zukunft zu handeln. Wer dieses Paradoxon ausnutzt, wird morgen den Erfolg einfahren. Doch was heißt das ganz konkret?
Wir sind alle im Netz – und viel gläserner als die düsterste Zukunftsprognose von George Orwell (22 Jahre später)  – so wie wir uns bewegen, handeln, kaufen, suchen, diskutieren, und surfen – das ist der Trend in ECHT-Zeit und garantiert repräsentativ.

Ich wage zum Abschluss eine Prophezeiung: Das Jahr 2007 wird das Jahr des Testings – nicht Data-Mining, sondern Behavioral Mining wird die Gold-Mine der Zukunft sein. Unter-nehmen, die User „benutzen“, um Content, Ads, Produktpräsentationen oder Banner zu optimieren, sind zukunftssicher.

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