Video is the Internetstar

Google on YouTube

Als ich heute in der Früh das morgendliche Homevideo vom Zähneputzen filmte, hörte ich es im Radio: Der Such-Tycoon Google kauft den Video-King Youtube. Als ich dann das Morgen-Geschäft im Kasten hatte, beschloss ich diesmal darüber zu philosophieren, warum die Leute jeden Scheiß filmen und dann auch noch begeistert anschauen. Worin liegt dieser Reiz, seine Reize mit der restlichen Welt zu teilen? 
 
 Zunächst einmal profitieren all diese User-Content Pages von den Exhibitionisten und Voyeuren, wobei Männer tendenziell lieber schauen und Frauen gerne zeigen. Deshalb dürfen Mann und Frau das Web allerdings auch nicht als Sammelpunkt von lauter Spannern und Spinnern verteufeln. Denn dieser kognitive Coitus ist nur eine Facette des Erfolges der privaten Peepshows.

Die fundamentale Kommunikations-Funktion des Internets liegt im „teilen und verbreiten.“ Mit dem Web ist es möglich, dass sich jede und jeder der ganzen Welt mitteilt.
Wer früher unter der Dusche gesungen hat, konnte nur bei geöffnetem Fenster und entsprechender Lautstärke auf Publikum hoffen. Und im Cyber-Age: Video aufnehmen, auf Youtube, Myspace & Co. stellen und innerhalb eines Tages haben es tausend auf der ganzen Welt gehört und sogar kommentiert. „Everybody can be a star for 1 second“, aber dahinter steckt nicht Wunsch nach Ruhm, sondern ein Schrei nach Leben.

Denn die Virtualisierung unseres Lebens, die Flucht in die Internetsucht (zuletzt sogar bei der Fernsehsendung „Primavera“) führt zu einer zunehmenden Lähmung der Individuen.

Diese Lähmung betrifft in erster Linie den Körper – mittlerweile ein Körper eines mit interaktiven Prothesen überrüsteten Nicht-Behinderten, dessen Vorbild der Behinderte geworden ist, der mit entsprechenden Hilfsmitteln seine Umwelt kontrollieren kann, ohne sich physisch fortzubewegen. Das fehlende bewegte, dörfliche oder familiäre Leben wird ersetzt vom Cyberlife. Und paradoxer Weise wünschen wir uns in diesem Paralleluniversum das echte Leben zurück: Deshalb boomen Realityserien und Home-Videos. Offenbar geilt es uns viel mehr auf, scheinbar echte durchschnittliche Personen von nebenan zu sehen, als durchgestylte Schauspieler.

Kann man daraus etwas für das E-Business lernen? Aber natürlich: Geben Sie den Menschen ein Leben, sie werden es ihnen danken. Das funktioniert für Amazon und E-Bay, und das hat die beiden fröhlichen Youtube-Gründern Chad und Steve immerhin um 1.650.000.000.000,– Dollar (= 1.65 Milliarden US Dollar) reicher gemacht.

Noch was: Das hat alles nichts mit Web 2,0 zu tun. Basta!

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