Kritik der reinen Belanglosigkeit

Niemals wurde so viel geredet wie heute, niemals wurde so viel geschrieben wie heute, niemals wurde so viel publiziert wie heute. Schade, dass allerdings auch noch niemals so wenig dabei ausgesagt wurde – wie heute. Willkommen in der Galaxie der Belanglosigkeit. 
 
 Weblogs, Blogs, Chat, Foren Newsgroups & Co. schießen wie die Schwammerl aus dem feuchten Waldboden des Internet, voll gefüllt mit Nullaussagen, Luftschlössern und Gequatsche, Floskel, Höflichkeitsformeln und abgedroschenen Ideen. Big Brother Teil 34, Tango Star 8, Flopmania 21 oder Hausfrau sucht Nacktputzer – die belanglose Berieselung setzt sich im täglichen Fernsehprogramm konsequent fort.

Das Problem – und das erkannt bereits Neil Postmann – ist ja nicht, dass wir uns mit unterhaltsamen Themen beschäftigen, sondern, dass jedes Thema als Unterhaltung präsentiert wird. Kriege wirken im TV wie Videospiele, im Videospiel sind sie allerdings spannender und realistischer – Geld wird völlig willkürlich in den Spielhallen der großen Börsen vergambelt.

Politiker produzieren reihenweise Satzungeheuer, die absolut keine Botschaft transportieren. Da hilft es auch nicht, wenn man „Ich sage in aller Klarheit“ davor setzt.

Und leider ist selbst im Business die Unsitte bereits gang und gebe: Der Boom der Coaches, Berater, Mediatoren zeigt wie wichtig die Belanglosigkeit in den Unternehmen geworden ist. Dabei wird stundenlang um den heißen Brei herum geredet, denn das ist offenbar besser als die Suppe auszulöffeln.
Wer Dinge auf den Punkt bringt, gilt als Arrogant, wer schnelle Entscheidungen sucht, macht sich der Oberflächlichkeit schuldig. Es ist wirklich ein Paradoxon unserer Zeit, dass wir in immer weniger Zeit immer mehr Zeit vergeuden.

Aber wir brauchen keine Besserwisser, Klugscheißer oder Dummschwätzer. Heute sind wieder Macher gefragt! Es geht darum Verantwortung zu übernehmen und dann dazu zu stehen.

Nutzen Sie bitte auch das World Wide Web mit Verantwortung und verschmutzen Sie es nicht als Container für belanglose Informationen. Im Internet werden schließlich Geschäfte gemacht und da kommt es darauf an, zum Abschluss zu kommen. Fazit: Wer prägnant und relevant ist, der wird auch mehr verkaufen. Basta!

Genug mit dem Geschwätz! 

Geschrieben für Datenkraft NL 05/06

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