E-Mail@Mai-Pochtler!

Schönen Montag Morgen Frau Mai-Pochtler!

Auch im Standard sind gute Kommentare nicht immer der Standard – danke deshalb für Ihre lesenswerte und akkurate Einschätzung zur Lage im World Wide Web. Und weil starke Kommentare es einfach nicht verdienen, kommentarlos hingenommen zu werden, hier ein paar Beobachtungen von einem Experten aus der „freien Wildbahn“.

Zu Google: So paradox einfach es auch klingt, aber der Erfolg von Google beruht schlicht und ergreifend auf der Tatsache, dass das Unternehmen – im Gegensatz zu den meisten anderen – wirklich den User und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt hat.

Mediengeschichtlich ist es wirklich beeindruckend, wie schnell das Internet zu einem Massenmedium gewachsen ist. Das Paradoxe dabei: Scheinbar ist das Medium seinem rasanten Wachstum gar nicht gewachsen. Benutzerzahlen steigen in astronomische Höhen, die Verbindungen erreichen fast Lichtgeschwindigkeit, aber Inhalte und Aufmachung innerhalb des Netzes wirken großteils noch sehr bodenständig und rückschrittlich. Um das Bild von Marshall McLuhan bewusst falsch zu zitieren: Der User sitzt im Porsche und rast mit 200 auf der Autobahn und irgendwo im Rückspiegel sieht er sein Medium.

Vorsicht! Ich misstraue der kühnen Vision der „schönen neuen vernetzten Welt“ des universellen Wissens und der globalen Demokratisierung. Immer noch ist das Internet einer ohnehin freien und gebildeten (na ja mehr oder weniger) Schicht vorbehalten: die Straßenkinder in Quito können die Postings über ihre schlechte Lage auch nicht essen.

Ob uns das kostenlose ständig verfügbare Wissen wirklich emanzipiert? Jedenfalls fordert es uns. Und zwar jeden einzelnen von uns zur Kritik- und Urteilsfähigkeit. Denn die Kreativität des einzelnen wird im Internet viel zu oft zur bewussten Verblendung vieler eingesetzt.

JA, JA und nochmals JA! Unternehmen profitieren von und an der Vernetzung. Schade eigentlich, dass in Österreich so wenige daran glauben, oder davon wissen? Wie sonst kann es passieren, dass der Vorstand der zweitgrößten Bankengruppe das Internet als nicht marktkonform einstuft. Mir erscheint das so typisch österreichisch. Zuerst himmelhoch jauchzend, den märchenhaften Goldesel erträumend und dann zu Tode betrübt, wenn das Netz sich doch nur als nützliches Arbeitstier erweist.

Für mich gibt es eine zentrale Frage, deren Antwort zugleich alle unternehmerischen Fragen löst. Wann fangen Unternehmen und Agenturen endlich an, das Internet innovativ zu nutzen, um den Erwartungen der User zu entsprechen? Die ewig gleiche Galgennavigation wird bestenfalls zum Fallstrick für eine ganze Branche.

An einem Medium, das endlich seine User überholt, arbeite ich – täglich. Damit neben Google auch noch andere etwas zu gigglen haben!

Ich wünsche einen sonnigen Start in eine erfolgreiche Woche!

Robert Seeger

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