Die Kritik der reinen Geschwindikeit

Schnell, schneller am schnellsten – die reine Geschwindigkeit ist der Erfolgsfaktor des 21. Jahrhunderts. 
 
Speed thrills und Speed kills – Geschwindigkeitsrausch, Arbeiten in Bestzeit, keine Wartezeiten, jederzeit und sofort – die Macht der Geschwindigkeit erotisiert wie nichts anderes, auf der Strecke bleiben alle Langsamen, überrollt vom InterCity der rastlosen Gesellschaft.

Wir stellen immer mehr und mehr fest, dass Zeit unser kostbares Gut ist. Deshalb gilt: nur keine Zeit verlieren oder gar vergeuden, lieber Multitasking, Power-Reading und Time-Management. Die Zeit gut nutzen heißt schnell sein.

Denn in der Tat dient Geschwindigkeit nicht mehr ausschließlich der einfacheren und schnelleren Fortbewegung, sie dient in erster Linie dazu unsere Welt zu hören, wahrzunehmen und in ihr zu handeln.

Früher war die Gegenwart ein lang andauernder Zeitraum, heute ist schon der Nachrichtenblock der letzten Stunde Vergangenheit. Der immer kürze Transit zwischen Vergangenheit und Zukunft, tötet die Gegenwart und führt zum Phänomen der Echtzeit.

An Stelle der alten Tyrannei der Entfernung zwischen geographisch verstreut arbeitenden Firmen tritt heute die Tyrannei der Echtzeit. Wer nicht sofort reagiert, hat schon verloren – denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben oder sogar die Geschichte.

Aber ohne Vorher und ohne Nachher – gibt es kein Vor- und kein Nachdenken, sondern nur mehr ein Handeln im echtzeitigen Augenblick.

Im Internet ist die Geschwindigkeit ohnehin das Maß aller Dinge: Breitband-Anschluss, Live Wetten, Live Streaming, Podcast, Chats, & Co. – im Internet tickt nur die Real-Time-Uhr. Und jeder der nicht up to date ist – ist bereits Schnee von gestern.

Nicht vergessen: Da der Augenblick de facto außerstande ist zu verweilen, (außer im Bund mit dem Mephisto), müssen Sie verdammt schnell sein um im Internet Erfolg zu haben. Dafür werden Sie auch nirgends so schnell so reich …

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